Demokratie und Extremismus: "Damit wir gut gemeinsam leben können!"
Demokratie und Extremismus
Rund 200 Schülerinnen und Schüler der Beruflichen Schulen Bretten (BSB) nahmen im Foyer des Hallenzentrums „Grüner“ an einem Vortrag der Fachstelle für Extremismusdistanzierung teil. Die Referenten Simon Danco und Anne-Marie Jambon sprachen über Demokratie, Extremismus und die Herausforderungen der digitalen Welt.
Zu Beginn begrüßte Schulleiterin Nicole Roeder-Schön die Anwesenden. Sie betonte, dass sie es positiv finde, dass es solche wichtigen Vorträge gebe, zugleich aber bedauere, „dass wir solche Vorträge brauchen“. Mit Blick auf die deutsche Geschichte stellte sie klar: „Wer die Gräueltaten des Dritten Reichs relativiert oder leugnet, der lügt.“ Ihr Dank galt der Fachschaft GGK sowie Lehrer Benjamin Winterstein für die Organisation der Veranstaltung.
Unter dem Titel „Schule als Ort der Demokratie und Gemeinschaft – Social Media als Raum für Meinungsbildung“ führten Simon Danco und Anne-Marie Jambon von der Fachstelle für Extremismusdistanzierung in das Thema ein. Danco bezeichnete die Aula des Hallenzentrums als einen sicheren Raum, in dem alle Fragen und Meinungen erlaubt seien – vorausgesetzt, der Umgang miteinander bleibe respektvoll. Er warb für die Demokratie und machte deutlich, dass diese den Alltag der Schülerinnen und Schüler stetig präge. Als Beispiele nannte er geheime Wahlen bei der Wahl von Klassensprechern oder der SMV sowie die Meinungsfreiheit: Wer mit bestimmten Zuständen an der Schule nicht einverstanden sei, könne seine Meinung äußern und Veränderungen anstoßen.
Be einer kurzen Fragerunde, warum die Demokratie geschützt werden müsse, nannten die Schüler die Meinungsfreiheit und die Gleichberechtigung als besonders wertvoll. Danco ergänzte: „Darüber hinaus schützt die Demokratie das Miteinander und ermöglicht es uns, durch Wahlen darüber zu entscheiden, wer politische Verantwortung übernimmt.“ Dabei verwies Danco auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung, die zentrale Werte und Regeln des Zusammenlebens sichere. Dazu gehörten das Rechtsstaatsprinzip und die Gewaltenteilung mit Polizei, unabhängigen Gerichten und Parlamenten. Extremistische Strömungen – ob von rechts, links oder aus islamistischen Zusammenhängen – würden diese Grundlagen torpedieren.
Als problematisch bezeichnete Danco die Wahrnehmung des Internets als vermeintlich gesetzesfreien Raum. Dort würden häufig einfache Antworten auf komplexe Fragen angeboten. Einsamkeit könne Menschen zudem anfälliger für extremistische Ideologien machen. Nach ersten Kontakten und der Mobilisierung – „wobei schon Likes genügen“ – folge nicht selten ein stärkeres Engagement in Gruppierungen, die zu Hetze und Gewalt aufrufen.
Anne-Marie Jambon richtete den Blick auf Hassrede in der realen und digitalen Welt. Hate Speech sei ein Kernproblem, das sich unter anderem in Memes, Bildern oder Liedern ausdrücke. Neben klar erkennbaren verfassungswidrigen Straftaten wie bestimmten Parolen, Codes oder Symbolen gebe es auch weniger offensichtliche Formen der Ausgrenzung. Unter der Oberfläche scheinbar harmloser Verhaltensweisen verbergen sich häufig Diskriminierungen, erläuterte sie.
Dabei erinnerte Jambon an Artikel 1 des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Gerade in sozialen Medien bestehe die Gefahr, dass Algorithmen Nutzerinnen und Nutzer immer weiter in bestimmte Themenwelten hineinziehen. Endloses Scrollen könne dazu beitragen, dass Parallelwelten entstehen. Abschließend gaben die Referenten den Jugendlichen konkrete Handlungsempfehlungen mit auf den Weg. Wichtig sei es, eigene Vorurteile zu reflektieren, Kommentare in toxischen Netzwerken kritisch zu hinterfragen und Räume zu schaffen, in denen Menschen respektvoll miteinander umgehen und sich wohlfühlen können.
