Lebhafte Debatte zur Landtagswahl 2026 im Brettener Hallenzentrum
BSB Schüler diskutieren im Landtagskandidaten Zukunftsfragen
In der Aula des Brettener Hallenzentrums trafen am 10. Februar Schülerinnen und Schüler des Beruflichen Gymnasiums auf Kandidatinnen und Kandidaten zur Landtagswahl 2026. Organisiert wurde die Podiumsdiskussion von der Fachschaft GGK. In einer respektvollen und engagierten Atmosphäre wurden landes-, bundes- und kommunalpolitische Themen kontrovers diskutiert. Zu Beginn begrüßte Andrea Neumann, Abteilungsleiterin des Beruflichen Gymnasiums, die Anwesenden. Sie dankte ausdrücklich den GGK-Lehrkräften Fabian Spachholz-Verch, Holger Ritzhaupt und Benjamin Winterstein für die Vorbereitung der Veranstaltung. Ohne deren Engagement, so Neumann, „wäre dieser heutige Austausch nicht möglich“.
In ihrer Ansprache zitierte sie den Reformator Philipp Melanchthon: „Einheit im Notwendigen, Freiheit im Zweifelhaften und in allem Menschlichkeit.“ Mit diesen Worten wünschte sie sich „eine spannende, erkenntnisreiche und respektvolle Diskussion“.
Die Moderation übernahm Fabian Spachholz-Verch, der konsequent auf die Einhaltung der Redezeiten achtete. Entsprechend dem letzten Wahlergebnis sprachen die Kandidaten in festgelegter Reihenfolge. Vertreten waren Pascal Haggenmüller (Bündnis 90/Die Grünen), Ansgar Mayr, MdL (CDU), Beate Essafi (SPD), Dr. Christian Jung, MdL (FDP), Andreas Laitenberger (AfD) sowie Saltanat Abduvaliev für Die Linke in Vertretung von Amely Poll.
Zum Einstieg sorgte ein „Wal-o-Mat“ für Bewegung und es hieß „Farbe bekennen“: Mit roten und grünen Karten signalisierten die Kandidaten Zustimmung oder Ablehnung zu Thesen wie der Stärkung von ÖPNV oder Privat-PKW, dem Ausbau von Kitas, Windkraft und der Integration von Migrantinnen und Migranten.
Im Mittelpunkt der Fragen aus der Schülerschaft standen finanzielle Entlastung und Chancengleichheit. Einigkeit herrschte darüber, dass der öffentliche Nahverkehr im ländlichen Raum ausgebaut werden müsse. Gleichzeitig wurde die angespannte Wohnungssituation, insbesondere im Raum Karlsruhe, thematisiert. SPD-Kandidatin Beate Essafi betonte aus persönlicher Perspektive, „da muss sich dringend etwas tun“, und verwies auf steigende Mieten. Saltanat Abduvaliev (Die Linke) forderte unter anderem Ganztagesschulen, die Abschaffung von Hausaufgaben sowie eine Vermögenssteuer und eine Ausbildungsumlage.
CDU und Grüne setzten andere Akzente: Ansgar Mayr (CDU) erklärte, Politik müsse sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren. Gleichzeitig verwies er auf das Konnexitätsprinzip – „wer bestellt, bezahlt“ – und übte Kritik an Vorgaben aus Berlin. Auch Pascal Haggenmüller (Grüne) sprach sich dafür aus, Kommunen nicht finanziell zu überfordern.
Ein breiter Konsens zeigte sich beim Thema Demokratiebildung: Alle Parteien signalisierten mit der grünen Karte Zustimmung zur Stärkung politischer Bildung an Schulen und lehnten Kürzungen im Sozialbereich ab. Intensiv diskutiert wurde die mentale Gesundheit junger Menschen. Alle Teilnehmenden waren sich einig, dass psychische Erkrankungen stärker in den Fokus rücken müssten und kein Tabuthema mehr sein dürften. CDU-Politiker Mayr nannte soziale Medien als eine der Hauptursachen: Algorithmen würden Filterblasen schaffen und den Druck auf Jugendliche erhöhen.
Besonders kontrovers verlief die Debatte um ein mögliches AfD-Verbot. Vertreter von Grünen, SPD und Linken sprachen sich klar dafür aus. Haggenmüller erklärte, ein Verbot sei notwendig, um die Demokratie zu schützen. Die CDU zeigte sich zurückhaltender: Mayr kritisierte, dass die Grünen im Landtag uneinheitlich abgestimmt hätten, und forderte stattdessen, die Ursachen für den Zuspruch zur AfD zu bekämpfen. FDP-Abgeordneter Dr. Christian Jung plädierte für ein „behutsames Vorgehen“ und dafür, die AfD „mit Argumenten zu entlarven“. AfD-Vertreter Andreas Laitenberger wies die Vorwürfe entschieden zurück und sagte wörtlich: „Es ist unfair, uns als Nazis zu bezeichnen. Wir halten uns an die demokratischen Spielregeln und das Grundgesetz.“ Moderator Spachholz-Verch widersprach und verwies auf einen Faktencheck, den die Schülerinnen und Schüler selbst durchführen sollten: Man solle „einfach mal googeln“.
Weitere Themen waren steigende Mieten und BAföG-Hürden für Familien aus dem Mittelstand, die von einer Schülerin angesprochen wurden. Während die Grünen auf Mietpreisbremse und die Aktivierung von Leerstand setzten, forderte die CDU schlicht: „Bauen!“ Die FDP wollte Unternehmen stärker bei der Schaffung von Wohnraum unterstützen. Die AfD sprach sich für die Senkung von Bau- und Nebenkosten sowie gegen PV-Pflicht und Heizungsgesetz aus. Die Linke verlangte Maßnahmen gegen spekulativen Leerstand. Auch Rentenpolitik, Sportplätze, Jugendbeteiligung, Wehrpflicht und die Rolle der Bundeswehr kamen zur Sprache. Trotz der Vielzahl an Themen blieb die Atmosphäre sachlich und respektvoll.
Am Ende der Veranstaltung zeigte sich: Die Podiumsdiskussion bot den Schülerinnen und Schülern nicht nur Einblicke in unterschiedliche politische Positionen, sondern auch die Möglichkeit, kritisch nachzufragen. Ein gelungener Beitrag zur politischen Bildung – ganz im Sinne des eingangs zitierten Appells für einen respektvollem Austausch.
